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Ich bin selber teilweise von mir schockiert wie weit mein Hass geht

  • lind
  • 17. Mai 2022 um 13:55
1. offizieller Beitrag
  • lind
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    • 17. Mai 2022 um 13:55
    • #1

    Wohin mit dem Hass, den ich in mir spür?

    Frisst sich wie Rost nach innen

    Alles was ich weiß, ich bin nicht wie ihr

    Aber wohin mit dem Hass?
    Wenn er wächst wie Krebs
    Wächst und lässt sich nicht töten
    Komm mit all dem Misstrauen, das du hegst
    Und macht etwas schönes kaputt

    Dieses Gedicht von Jochen Distelmeyer / Sänger und Komponist der Band Blumfeld
    Fast mein aktueller Gemütszustand relativ gut zusammen.
    Ja ich weiß momentan nicht weiter, laufe gegen Mauern und die Gefahr steht im Raum dass ich was schönes in meinem Leben kaputt machen.

    Es ist eigentlich das einzige was mir noch am Leben geblieben ist.
    Das einzige was mich wirklich noch antreten.
    Der Hass auf gewisse Organisationen, Sachen
    Bin ich denn wirklich nur noch alt und verbittert Mensch .
    Der sagt früher war alles besser als sie noch selbst das Heft des Handelns in der Hand hielt.
    Der sich aktuell nichts erfreuen kann.

    Da ist ein Loch in meiner Seele, das wir mit Wut füllen

    Und ich fühlen uns gut

    laut icd-code F30-39 Hab ich bei fast bei jeden Punkt Ein Bingo.

    Gibt es hier andere Leute die damit auch Erfahrung haben wie geht ihre damit um ?
    Meine Probleme von eigentlich immer erst an wenn ich auf andere angewiesen. Oder Hilfe brauchen.
    Solange ich mir selber genüge für mich selber arbeiten kann.
    Alles super sobald andere dazu kommt ist alles Mist

  • Michael
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    • 17. Mai 2022 um 14:29
    • Offizieller Beitrag
    • #2

    Ich kann jetzt nicht für andere sprechen aber mir ging es nach dem Unfall ähnlich, im Rehazentrum alles gelernt und voll motiviert bin ich ausserhalb auf eine Welt gestossen die nicht auf mich vorbereitet war. Damals (1988) war hier am Ende des 22ten Bezirk nichts rollstuhlgerecht, nicht einmal rollstuhlfreundlich. Überall Stiegen, Kanten, schmale Türen und jeder ging mir aus dem Weg weil keiner wusste wie er mit mir umgehen soll.

    Oh mann, da war ich öfters wütend und wollte mit aller Gewalt etwas ändern. Meine Mutter hat in der Zeit eine Menge mitgemacht, ich bin überall angeeckt weil ich sofort auf 180 war wenn jemand gesagt hat "das geht nicht".

    Irgendwann hat mich das so erschöpft und mir meine ganze Energie genommen das ich etwas tun musste. Auch ich war und bin der Meinung das ich alles allein kann und ja es stimmt auch nur manchmal sind es halt Kleinigkeiten für die ich Hilfe brauche. Finanziell bin ich auch auf Mindestsicherung und muss immer recht lange sparen wenn ich etwas will aber dadurch habe ich auch gelernt das es eigentlich keinen Sinn hat wütend und hasserfüllt zu sein denn das schadet mir nur selbst. Wenn ich jemanden anderen anmaule weil ich etwas nicht bekomme, krieg ich es trotzdem nicht und sobald ich weg bin hat man mich schon wieder vergessen.

    Heute bin ich ruhig und entspannt, ich bin nicht wütend, nicht mal auf meine Ex-Frau das sie gegangen ist auch nicht auf das Spital weil sie meinen OP-Termin verschoben haben oder auf die Krankenschwestern wenn sie mal wieder erst am Nachmittag zum Verbandwechsel kommen. Ich bin freundlich und nett auch wenn mich manches ein wenig ärgert und so sind auch alle zu mir freundlich und nett und wenn ich mal die Krankenschwester ersuche das sie früher kommt oder mir den Rücken oder die Schultern einschmiert dann tun sie es alle gerne.

    Ich hab früher immer viel Musik gehört aber nicht so heftige Musik die über all das schlechte schreibt sondern die Musik die mich runter bringt, die mich beruhigt, die mich an schöne Zeiten erinnert. Das hat mir viel geholfen und so hab ich es, natürlich auch mit Hilfe eines Freundes, geschafft 6 Jahre allein in einer Wohnung zu leben und alles selbst zu machen. So war ich gestärkt für alles was kommt und so hab ich dann auch meine Ex-Frau kennengelernt mit der ich schließlich 25 Jahre zusammen war.

    Wut und Hass zerstören dich nur, sie helfen dir nicht. Du brauchst etwas womit du diese Gefühle ableiten kannst und du brauchst Erfolgserlebnisse. Für den Anfang such dir doch kleine Dinge die du erfolgreich abschliessen kannst und mit jedem Erfolg wird es weniger Wut und Hass geben.

    Ich weis, die Worte sind jetzt schön und leicht gesagt und es ist hart aber bei mir hat es geklappt. Ich hab z.B. allen zum Trotz bewiesen das ich auch im Rollstuhl Autos reparieren kann und ich hab sogar die Meisterprüfung im Rollstuhl abgelegt. Da haben einge Menge Leute ziemlich dumm geschaut und das tat gut.

    LG. Michael

    ;) Dem Weisen ist die Ruhe heilig, nur Verrückte haben's eilig.

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  • lind
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    • 18. Mai 2022 um 22:38
    • #3

    Die ersten zwei Absätze kann ich dir wirklich eins zu eins zustimmen. Ich weiß es leider nicht mit dir ob das durch einen Unfall war oder zwei Geburt. Aber dieses Gefühl in mir zu haben und möchte dazugehören und brauchst du nicht dazu. Und der einzige auf den man sich dann verlassen kann ist Eine mir selbst.

    Wie du es auch hier beschreibst man will ja eigentlich freundlich sein, man weiß man ist auf andere Menschen angewiesen und will soziale Kompetenz zeigen. Das was ich an mir selber hast diese kleine Funken der ausreicht ich mach eine 180° Drehung und bin noch einmal wie bei Dr. Jekyll und Mr. Hyde
    Leute die mich seit Jahren kennen wissen das geht vorbei.

    Laut Frau Doktor Mooshammer die mir damals sehr geholfen hat in solchen Phasen nennt man das das Stachelschwein Prinzip.
    Ja nicht zeigen dass man verletzlich ist. Bevor der andere überhaupt die Chance hat einen zu verletzen vorher ich vorher schon mal pro forma einen Stachel in den Ab.
    Erst nachher kommt einem in den Sinn dass man zum Beispiel Gegen über verletzen könnte.

    Wie du selber schreibst, das ist ja eigentlich nicht wirklich Wut oh sondern die Verzweiflung im System oder am System. An der Bürokratie.

  • Michael
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    • 20. Mai 2022 um 21:42
    • Offizieller Beitrag
    • #4

    Dir ist aber schon klar das es keinen Sinn macht wenn man vorher schießt und dann erst fragt. Es mag schon stimmen das man sehr oft in eine Situation kommt in der man sich nur mehr auf sich selbst verlassen kann aber das ist mit Sicherheit kein Dauerzustand. Das liegt dann einfach daran das man Hilfe nicht zulässt und dafür kannst du nur dich selbst verantwortlich machen und niemand anderen.

    Ich bin ja grundsätzlich auch jemand der die Dinge lieber selber erledigt aber in den Jahren ist mir klar geworden das ich das eigentlich nur mache um zu beweisen das ich es kann also war klar das ich es (was auch immer) ja eigentlich nur einmal machen muss, als Beweis und danach kann ich mir ruhig helfen lassen. Das ist keine Schande und auch keine Abwertung, man tut sich einfach nur leichter.

    Man muss nicht immer überall dazu gehören um jemand zu sein bzw. akzeptiert zu werden, das ist gar nicht nötig. Sei einfach du selbst und finde deine Mitte also keine 180° sondern eben nur 90° und du wirst sehen das die Leute dir gleich ganz anders begegnen.

    Das System sind nicht die Menschen um dich herum, das ist einfach nur ein Teil des Ganzen. Deswegen musst du nicht gegen alles und jeden kämpfen. Lass den anderen die Möglichkeit dir zu helfen ohne sie zu bedrängen oder schlimmeres.

    Mehr kann ich dazu nicht sagen. Schönen Abend noch.

    LG. Michael

    ;) Dem Weisen ist die Ruhe heilig, nur Verrückte haben's eilig.

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